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Gaspare Mango - FilmandFoto.com

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"Hobbyscout auf Schatzsuche": Wir begleiten unsere Leser bei ihren Hobbys / Teil 2: Erste Erfolgserlebnisse an der Staffelei

Gaspare Mango

Pinselheld in Fußstapfen von Bob Ross . . .

Von unserer Mitarbeiterin Vanessa Schäfer

Ketsch. So virtuos die Menschen sind, so virtuos auch ihre Hobbys. Im ersten Teil unserer Serie "Hobby-scout auf Schatzsuche" haben wir bereits die tiefen Welten beim Tauchen kennengelernt. Und heute geht es ab ins Atelier, wo unser Hobby-scout für Sie die Hemmschwelle vor einer blanken Leinwand ablegen muss ...




Mit Weiß grundieren

Erinnern Sie sich noch daran, wann Sie zum letzten Mal mit einem Pinsel in der Hand vor einem weißen Papier saßen? Bei mir muss es mit 16, 17 gewesen sein - kurz bevor ich mich für die Oberstufe von den Bildenden Künsten verabschiedete. Nicht, weil ich nicht malen konnte, sondern viel mehr, weil es oft stundenlanger Interpretationen bedurfte, bevor mein Lehrer die Kunst in meinen Bildern entdeckte.

Dass ich jemals wieder einen Pinsel zur Hand nehmen würde - abgesehen davon, um etwas zu streichen - schien mir bis vor kurzem utopisch. Mit Feingefühl und Ausdauer den eigenen Gedanken und Erinnerungen in Bildern Ausdruck zu verleihen, ist einfach nicht meine Art.

Als ich nun in der Ketscher Garage von Gaspare Mango sitze, rings um mich herum unzählige Farben und eine weiße, gespannte 40 mal 50 Zentimeter große Leinwand auf einer Staffelei direkt vor meiner Nase, bin ich überfordert. Womit soll ich die denn füllen? Mit einer Wohngegend aus "Das-ist-das-Haus-vom-Nikolaus" oder einem Himmel voller Sterne? "Nein, nein", lacht mein Mallehrer. "Das Schöne an Bob Ross ist, dass er jedem, der malen will, es aber nicht kann, die Möglichkeit gibt zu malen." Ob Bob Ross mit seiner Malmethode aber auch an Pinselhelden wie mich gedacht hat? Ich bleibe skeptisch, hülle mich erstmal in einen Malerkittel und streife mir OP-Handschuhe über.

"Der erste Schritt ist, die Leinwand mit diesem Flüssigweiß zu grundieren. Das ist beim Nass-auf-Nass-Malen wichtig, damit die Farben hinterher beweglich bleiben", erklärt mir Mango, einen Pott mit weißer Farbe und einen dicken Malerpinsel reichend. Das sollte wohl die kleinste Herausforderung sein. Voller Enthusiasmus streiche ich die Leinwand, während Mango bereits einen satten Blauton auf dem Malbrett mischt. "Damit malen wir jetzt einen Himmel", fordert er mich auf und zeigt mir eine Zick-Zack-Bewegung, mit der im Nu ein blauer Himmel auf meiner Leinwand erscheint. Auch ein Gewässer ist schnell mit geraden Pinselstrichen aufgetragen. Und obwohl meine Leinwand bisher nur mit Blau und Weiß gedeckt ist, bin ich jetzt schon stolz, es überhaupt so weit geschafft zu haben.

Doch nun geht es ans Eingemachte. "Wie sehen Sie die Wolken?", fragt mich der Ketscher Hobbymaler. "Oje", denke ich mir. Mehr als kugelrunde Schäfchenwolken habe ich noch nie zu Papier gebracht - und jetzt lasse ich einen in weiß getränkten Fächerpinsel ziellos über die Leinwand tanzen? "Nur zu, Sie können nichts verkehrt machen. Bob Ross hat immer gesagt, es gebe keine Fehler nur ,happy accidents'", ermutigt mich Mango.

Farbtupfer um Farbtupfer

Und so langsam ziehen sie von dannen: die Berührungsängste zwischen der Leinwand und mir. Nach und nach zaubere ich wie von Geisterhand immer mehr Farbe in mein Bild, spachtel schneebedeckte Berge hinzu und Wasserspiegelungen. Mango steht währenddessen wie ein geduldiger Lehrer neben mir, beobachtet jeden Pinselzug, den ich ausführe, und gibt wohlgemeinte Ratschläge zur Pinselführung an mich weiter.

"Sie lernen sehr schnell", das Lob geht herunter wie Öl, als ich mal klopfend, mal tänzelnd und mal streichend das Bild mit Bäumen, Wiesen und Büschen auffülle. "Da bekomme ich ja Konkurrenz", schmunzelt der 64-Jährige.

Ein Blick auf mein Kunstwerk und ich muss ihm fast Recht geben. Das Bild auf der Staffelei sieht tatsächlich so aus, wie nicht von mir gemacht: Einfach schön - nur dass ich es diesmal besser weiß. Voller Stolz setze ich mit roter Farbe ein letztes Mal den Pinsel an und hinterlasse meine Initialen da, wo sonst ein dickes "ROSS" die Leinwand ziert.

Erschienen auf : Morgenweb.de

Quelle: Schwetzinger Zeitung 05. Juni 2009